© Martin Elsbroek
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Wortkunst


In der "taz", nach ihrem Selbstverständnis ein Hort kritischen, linken Journalismus', macht sich Hengameh Yaghoobifarah Gedanken über die berufliche Verwendung von Polizisten, die sie in toto für inkompetente "Faschos" hält, und kommt zu folgendem Schluss: "Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. ...auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten."

Ausgerechnet Frau Y., die sofort mit der Rassismuskeule um sich schlägt, wenn man sie als Kind iranischer  Eltern identifiziert, und mit der Sexismuskeule, wenn man ihr offensichtliches Übergewicht registriert, bedient sich der Rhetorik eines Joseph Goebbels, indem sie Polizisten mit Abfall gleichsetzt.

Goebbels identifizierte jüdische Mitbürger als Ungeziefer mit der Absicht, die Beißhemmungen der Mehrheitsgesellschaft diesen gegenüber auszuknipsen. Niemanden sollte das Gewissen plagen, wenn  massenweise Ungeziefer vernichtet wird.

Und nun sind Polizisten nichts weiter als Müll. Mit Entsetzen habe ich am vergangenen Wochenende die Bilder gesehen, die einen jungen Mann zeigten, der in Stuttgart einem am Boden knienden Polizisten mit Anlauf ins Kreuz sprang. Vermutlich geht das für Frau Y. voll in Ordnung, denn wie sonst geht man mit Müll um? Der "Fascho-Mindset", den Frau Y. pauschal bei Polizisten diagnostiziert, ist offenkundig ihr eigener. Eine klassische Projektion.

Die "taz" steht nun vor der Frage, was an derlei Übergriffen a)  kritisch, und b), links ist.

Zu a: Frau Y. verwechselt das Ausleben ihrer privaten Rauflust mit Meinungsfreiheit, und die Reaktion der Öffentlichkeit darauf mit Rassismus. Darin gleicht sie einem tobsüchtigen Kind in der Quengelzone, das seine Mutter auf's Übelste beschimpft, unter deren Röcke es gleichwohl gern kriecht, wenn es draußen ungemütlich wird. Jetzt, da sie Gegenwind bekommt, bettelt sie bei jenen um Schutz, die sie zuvor selbstgefällig herabgewürdigt hat. Wie erbärmlich ist das? Dass sie diesen Schutz bekommt, beweist übrigens die Größe der Gescholtenen und widerlegt so die Vorurteile der Frau Y.

Zu b: Die Definition von "links" orientierte sich bislang an der Gesellschaftsanalyse von Karl Marx. Aus jener folgten politische Maximen wie zum Beispiel die der Solidarität. Seit aber die Linke Karl Marx durch Judith Butler ersetzt hat, tritt an die Stelle der rationalen Analyse die gefühlte Betroffenheit und an die der Solidarität die beinharte Konkurrenz zwischen identitären Gruppen.

Beides ist Ausdruck eines rücksichtslosen, kindischen Egoismus, dem das Mitgefühl für andere völlig am Arsch vorbeigeht. Das ist nicht mehr links, das ist autoritär, das ist faschistoid.

Die "taz" wäre also in ihrem eigenen Interesse gut beraten, sich von einer Autorin zu trennen, die sich an ihre feuchten Windeln klammert und sich  weigert, den nächsten Entwicklungsschritt zu tun.

Frau Y. hat ihr Leben von Geburt an in einem Gemeinwesen verbracht, welches ihr deutlich bessere Bedingungen bot als das Herkunftsland ihrer Eltern es gekonnt hätte. Das wirft ihr niemand vor und niemand verlangt dafür Dankbarkeit. Sehr wohl aber darf Respekt verlangt werden. Genau jener Respekt nämlich, den Frau Y. für alle Minderheiten dieser Welt einfordert, den sie aber umgekehrt der Mehrheitsgesellschaft verweigert. Warum nur sind ausgerechnet die Exponenten der Politischen Korrektheit über alle Maßen respektlos? Ist Respekt eine Einbahnstraße? Gilt das Diskrimi-nierungsverbot immer nur für die anderen?

Ihre taz-Kolumne vom 25.5.2020 hat Frau Y. jedenfalls überschrieben mit der Phrase: "Ich bin fett und arrogant." Darin fragt sie: "Warum kann ich kein Arschloch sein?" Doch, doch, liebe Frau Y., können Sie, weiter so!

© Martin Elsbroek 2020