© Martin Elsbroek
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Wortkunst


Der Begriff "Rasse" unterstellt, dass es Populationen von Lebewesen von großer genetischer Homogenität gebe, die sich von anderen Populationen derselben Art qualitativ deutlich unterscheiden.

Auf Rinder, Pferde und Hunde beispielweise trifft diese Vorstellung sicherlich zu. Bei Hunden gilt Kurzbeinigkeit als ein Rassemerkmal des Dackels und das zottelige Fell als das des Bobtails. Auch Tomatensorten lassen sich anhand von typischen, gezielt herbeigeführten Merkmalen beschreiben.

Von menschlichen Rassen zu sprechen, ist jedoch aus mehreren Gründen falsch. Denn erstens unterliegen Menschen in ihrem Paarungsverhalten keinen züchterischen Zielen und Eingriffen - wenn man einmal vom nationalsozialistischen Verein "Lebensborn e.V." absieht, der "arische" SS-Männer mit ebensolchen Frauen verkuppelte, um "reinrassig arischen" Nachwuchs zu zeugen.

Zweitens gibt es zwar Umweltbedingungen natürlicher und sozialer Art, die den Phänotyp eines Menschen beeinflussen; so leben beispielsweise in Afrika natürlicherweise dunkelhäutige Menschen, während insbesondere ostasiatische Menschen mit mandelförmigen Augen ausgestattet sind. Oder, um ein anderes Beispiel zu wählen: Die durchschnittlich größten Männer gibt es in Holland (182,5 cm), die kleinsten leben in Osttimor (159,8 cm).

Dennoch handelt es sich hierbei nicht um Rassen, denn die genetische Varianz innerhalb geographischer Populationen ist erheblich größer als jene zwischen denselben (Jenaer Erklärung 2019). Konkret: Das Genom eines Westafrikaners unterscheidet sich deutlicher von dem eines Ostafrikaners als von dem eines Europäers oder Asiaten. Die gemeinsame dunkle Hautfarbe scheint zwar auf den ersten Blick das Gegenteil nahezulegen, aber die Erkenntnisse der modernen Genforschung sind da eindeutig. Schließlich haben unsere Vorfahren die weiße Hautfarbe erst infolge ihrer Wanderungsbewegung nach Norden erworben. 

Insofern ist es nur folgerichtig, wenn die GRÜNEN nunmehr verlangen, den Begriff "Rasse" aus dem Grundgesetz zu streichen. Dort heißt es nämlich in Artikel 3, Absatz 3: "Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

Eigentlich ist das eine gute Idee, allerdings auch eine ziemlich bigotte. Denn ausgerechnet die GRÜNEN repräsentieren jenes politische Milieu, dem der Rassismusvorwurf sehr locker im Holster sitzt. Und worauf sollte "Rassismus" sich beziehen, wenn nicht auf "Rasse"?

Wohl um das zu kaschieren, lautet der Generalverdacht, unter den die politisch Korrekten ihre Gegner reflexhaft stellen, nun nicht mehr "Rassismus", sondern "kultureller Rassismus". Damit bezieht er sich nicht mehr nur ausschließlich auf die Ethnie, sondern schließt die vermeintliche Abwertung fremder Religionen, Sprachen, Ernährungsweisen, Kleidungsstile, Umgangsformen und Geschlechterverhältnisse mit ein. Damit ist aber auch klar, woher dieser Vorwurf rührt: Nämlich aus der Multi-Kulti-Ecke, die es bis heute nicht fertigbringt, einzugestehen, dass Multi-Kulti nicht funktioniert. Denn jede Erfahrung lehrt, dass es migrantische Milieus gibt, die sich jeder Integration verweigern.

Beispielsweise etablieren kriminelle arabische Clans in Berlin, Bremen, dem Ruhrgebiet und anderen Ballungszentren Parallelgesellschaften und setzen dort ihr Recht durch. Sie schaffen No-go-areas, in denen selbst die Polizei kuscht. "Euer Grundgesetz ist uns egal!" sagte eine bekannte Berliner Clangröße in die Kamera von Spiegel-TV.

Heinz Buschkowsky, der langjährige Neuköllner Bezirksbürgermeister, beschreibt in seinem Buch "Die andere Gesellschaft" Zustände, die für mich, der ich nie in Ballungszentren gelebt habe, kaum zu fassen sind. Und er beschreibt eben auch die Ursachen: Eine Haltung, die Toleranz gegen Migranten absolut setzt und deshalb blind ist für den Missbrauch dieser Toleranz. Eine Haltung, die selbst hochgradig intolerant ist gegen die Belange und Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft. Eine Haltung, die das Scheitern von Integration nie den Integrationsverweigerern anlastet, sondern stets dem angeblichen "kulturellen Rassismus" der autochthonen Mehrheitsgesellschaft.

Allerdings treibt diese Haltung ihre Träger in einen prekären Widerspruch.

Denn die größte Bedrohung für die Ehre eines muslimischen Mannes geht vom Verhalten seiner Frau bzw. seiner Töchter aus. Verstoßen diese gegen den orthodoxen muslimischen Sittenkanon, kann der Mann die Ehre seiner Familie nur durch drakonische Bestrafung, im Extremfall durch Ehrenmord, wiederherstellen. Die Website "ehrenmord.de" dokumentiert die in Deutschland begangenen Ehrenmorde der letzten zwanzig Jahre.

Dieser Zusammenhang bildet den Hintergrund für Kopftuch, Burka und die Unfreiheit traditionell lebender Muslimas im Vergleich zu ihren Brüdern.

Feministinnen hätten nun allen Grund, diesen Ehrbegriff in Frage zu stellen. Allerdings unterlassen sie dies tunlichst, weil der Vorwurf des "kulturellen Rassismus" sie dann selbst träfe.  Um dem zu entgehen, richten sie ihn lieber gegen solche Menschen, die Regelverstöße auch dann benennen, wenn sie von Migranten begangen werden. So griff z.B. die Feministin Anne Wizorek Polizisten und Journalisten massiv an, die nach den Kölner Silvesterereignissen die Täterkohorte zutreffenderweise als nordafrikanisch bezeichnet hatten. Damit stellte sie sich aber schützend vor einen Typus Mann, den sie, wäre er agnostischer Mitteleuropäer, am liebsten zum Frühstück verzehrte. Da ließ sie ihn doch lieber ungeschoren. Auf diese Weise ignorierte sie zugleich das schiefe Geschlechterverhältnis.

Wer jedoch die verehrten Damen mit diesem Einwand konfrontiert, bekommt gleich den nächsten Vorwurf um die Ohren geklatscht: Den des Eurozentrismus nämlich. So nennen sie eine Haltung, der sie unterstellen, die in Europa gültigen Werte und Maßstäbe an die ganze Welt anlegen zu wollen. Mit anderen Worten: Dem strenggläubigen Muslim möge man doch bitte Dinge durchgehen lassen, die für den durchschnittlichen Mitteleuropäer strafwürdig wären.

Erfüllt diese Haltung nicht ihrerseits sämtliche Merkmale des kulturellen Rassismus?

Sind Selbstjustiz, Ehrenmord und Genitalverstümmelung nichts weiter als Multi-Kulti-Folklore?

Wenn ja: Was sind dann noch universelle Menschenrechte wert?

© Martin Elsbroek 2020